12. Mai ist internationaler Tag der Pflege

Plakat mit zwei sich greifenden Händen. Darüber steht "Pflege ist Daseinsvorsorge #TagDerPflege"

Heute ist der internationale „Tag der Pflege“! Ein besonderer Tag, auch wenn jeder Tag ein „Tag der Pflege“ sein sollte.

Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten oder selbst eigene Familienangehörigen pflegen, brauchen mehr als ein Dankeschön von der Politik. Deswegen haben wir – Grüne Berlin – einen wichtigen Beschluss bei der Landesdelegiertenkonferenz im April 2022 verfasst.

Unser Ziel ist eine diversitätssensible Gesundheitsversorgung und Pflege in Berlin. Spezifische Beratungsangebote wie die „Interkulturellen Brückenbauer*innen in der Pflege – IBIP“ haben sich bewährt. Sie gewährleisten den Zugang zu Leistungen der Pflege, indem sie in unterschiedlichen Sprachen die Pflegebedürftigen und deren Angehörige in Pflegestützpunkten über die Stadt verteilt beraten. Diese Leistungen werden wir, finanziert aus Mitteln der Sozialen Pflegeversicherung und aus Landesmitteln, weiterhin garantieren. Um eine diversitätssensible und diskriminierungskritische Pflege nachhaltig anzubieten, setzen wir uns dafür ein, dass entsprechende Schulungsangebote fester Bestandteil der Ausbildungscurricula und von Weiterbildungen werden.

Pflegepersonal der Palliativ- und Hospizversorgung braucht Zugang zu psychologischer Beratung und Seelsorge, sowie regelmäßige Reflexionsmöglichkeiten, um langfristig die eigene psychische Gesundheit zu schützen. Dafür setzen wir uns ein.

Zur Entlastung von pflegenden Angehörigen gehört der Ausbau von Tages-, Kurzzeit-, Nacht und Verhinderungspflege. Wir folgen damit dem Ansatz ambulant vor stationär. Dieser Grundsatz ist für uns auch für die Pflege von Menschen leitend, die nicht von Angehörigen gepflegt werden. Die Anzahl von Pflege-Wohngemeinschaften wollen wir beibehalten und bei Bedarf ausbauen. Die Pflege-Wohngemeinschaften sollen nach überprüfbaren Qualitätsindikatoren arbeiten. Darüber hinaus stärken wir Strukturen und Angebote, die es pflegebedürftigen Menschen ermöglichen, möglichst lange in ihrer Wohnung und der vertrauten Umgebung zu leben.

Zu einer guten Pflegepolitik gehört auch eine Ansprechperson in der Verwaltung, an die sich pflegende Angehörige, Pflegebedürftige oder Dienstleistungsanbieter wenden können, wenn Fragen oder Beschwerden zur Pflege bestehen. Wir haben uns daher im Koalitionsvertrag für eine*n Landespflegebeauftragte*n massiv eingesetzt. Eine wichtige Aufgabe der*des Landesbeauftragten besteht auch in der Aktivierung des Landespflegeausschusses. Damit wird die Chance genutzt, alle wichtigen Akteur*innen der Stadt zusammenzubringen.

Wir stehen für eine niedrigschwellige, vernetzte Gesundheitsversorgung vor Ort und eine bessere Verteilung der Angebote über die Stadt. Wir werden das Prinzip des Stadtteil- Gesundheitszentrums, wie das Gesundheitskollektiv in Neukölln, in die verschiedenen Kieze Berlins exportieren. Ziel eines integrierten Stadtteil-Gesundheitszentrums ist, die Gesundheitsversorgung nicht nur medizinisch, sondern vor allem auch gesellschaftlich und sozialpolitisch zu gestalten. So wird für jeden und jede ein niedrigschwelliger Zugang zum Hilfesystem erreicht. Wir wollen damit die Chancen von Kranken und Pflegebedürftigen verbessern und Zugangshindernisse abbauen.

Menschen, die bei Krankheit oder im Alter Unterstützung benötigen, wünschen sich zu Recht Pflegekräfte, die sich mit Sorgfalt um sie kümmern. Dafür brauchen Pflegekräfte ausreichend Zeit, gute Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung nach Tarif. Daher wollen wir die Arbeits-, sowie Aus- und Weiterbildungsbedingungen für die Beschäftigten im Gesundheitswesen weiter verbessern.

Um dem Pflegenotstand und Fachkräftemangel entgegenzuwirken, braucht es ebenso attraktivere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in der Pflege und den Gesundheitsberufen. Die Ausbildung in anerkannten Gesundheitsberufen (Logopädie, Physio- und Ergotherapie) muss entgeltfrei werden. Für Pflichtpraktika und Praxisphasen in Ausbildung und Studium der Pflege- und Gesundheitsberufe, wie bspw. in der Psychotherapieausbildung oder dem PJ, müssen eine angemessene Vergütung, Urlaubs- und Sozialversicherungsansprüche sowie faire Arbeitszeitregelungen gelten. Den Praxisanteil der akademischen Pflege nach dem Pflegeberufegesetz werden wir kurzfristig finanziell sichern. Wir setzen uns für Schulgeldfreiheit bei der Ausbildung der anerkannten Gesundheitsberufe ein. 

Schon seit Jahrzehnten wird über die Einrichtung von Pflegekammern in Deutschland diskutiert. Hauptargument von Pflegeverbänden ist, Pflegefachpersonen durch eine eigene Kammer mehr Gewicht in Politik und Versorgungsstrukturen zu geben und die Versorgungsqualität der Gesellschaft in den Fokus zu rücken. Mit einer Pflegeberufskammer kann neben dem Ansehen der Pflegefachpersonen auch die Aus- und Fortbildung qualitativ gesichert werden. Eine Kammer kann die Stimme aus der Pflege für die Pflege sein. Hierzu bedarf es einer breiten Zustimmung und einem klaren Bekenntnis der Landesregierung und der Pflege. Wir positionieren uns hier eindeutig und machen uns für eine Umsetzung in dieser Wahlperiode stark.

Zum Hintergrund des internationalen Tages der Pflege:

An 12. Mai wäre der 202. Geburtstag von Florence Nightingale. Florence Nightingale (1820 – 1910) gilt als Pionierin der modernen westlichen Krankenpflege. Mitte des 19. Jahrhunderts brach der Krimkrieg aus. Nightingale beschloss, verwundeten Soldaten in der Krim pflegerische Versorgung zu gewährleisten – ungewöhnlich für eine Frau der britischen Oberschicht. Dort angekommen, stellte sie sehr schlechte hygienische Bedingungen für die Verletzten fest. Sie begann, die hygienische Situation wissenschaftlich zu untersuchen und die von ihr gesammelten Daten statistisch aufzubereiten.

Damals war es ein absolutes Novum, dass Pflegende wissenschaftlich tätig werden. Pflege war doch ein gesellschaftlich nicht voll umfänglich anerkannter Beruf und eher in christlichen Gemeinschaften verortet. 

Ihre Erlebnisse veröffentlichte Florence Nightingale in den Büchern „Notes of Hospital“. Ihre pflegerischen Grundsätze fasste sie in den „Notes on nursing“ zusammen. Die daraufhin gegründete Florence Nightingale Stiftung hat 1860 eine Krankenpflegeschule am St. Thomas Hospital in London eröffnet. Dieses Modell wurde weltweit bekannt und führte zur Gründung zahlreicher Schwesternschulen. Ebenso wurde Nightingale Mitentwicklerin der Idee von Gemeindeschwestern, die bei Armen für die häusliche Krankenpflege eingesetzt werden. 1861 folgte die Gründung einer Hebammenschule am Kings College Hospital in London. Maßgeblichen Einfluss nahm Nightingale auf den schweizerischen Philanthropen Henry Dunant (1828-1910), der in der Folge das Rote Kreuz gegründete. 1867 wurde ihr Geburtstag vom Weltbund der Krankenschwestern und Krankenpflegern erstmals als offizieller „Tag der Krankenpflege“ ausgerufen.

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