Besuch beim Netzwerk behinderter Frauen

stilisierte tanzende Frauengestalt und Schriftzug Netzwerk behinderter Frauen Berlin e. V.
© Netzwerk behinderter Frauen

Am 22. November 2022 besuchte die inklusionspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus (AGH) das Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V. Der Verein besteht seit 27 Jahren und engagiert sich in der politischen Arbeit von und für Frauen mit Behinderungen. Zudem bietet der Verein Sozialberatung und psychosoziale Beratung für behinderte Frauen an. Dabei arbeiten die Beraterinnen beeinträchtigungsübergreifend nach dem Peer-Prinzip, was bedeutet, dass sie alle auch eine Behinderungserfahrung haben. Anti-Gewalt und Frauengesundheit sind weitere Schwerpunkte des Netzwerks, das auch Mitglied im Netzwerk Frauengesundheit Berlin ist. Selbsthilfegruppen für Frauen mit Multipler Sklerose beziehungsweise mit Depressionen gehören ebenso zum Angebot des Vereins wie Gesprächskreise für Frauen mit Lernschwierigkeiten. Diversitätsorientierte Öffnung kennzeichnet den Verein, wie Ulrike Haase, Sozialberaterin des Netzwerks, erläutert. Außerdem stellt sie die dreiteilige Kursreihe „Erwerbslos, krankgeschrieben, erwerbsgemindert – Wo stehe ich und wo will ich hin?” vor. Darüber hinaus wird derzeit ein Fachtag zum Thema „Frauen mit Behinderungen im Kontext der Behindertenrechtskonvention“ (Arbeitstitel) geplant.

Ähnliche Vereine  gibt es in nahezu allen Bundesländern und mit dem Weibernetz e. V. auch einen Bundesverband. Enge Kontakte bestehen beispielsweise zu Starke.Frauen.Machen, dem Netzwerk der Frauenbeauftragten in Werkstätten für behinderte Menschen. Außerdem wurden für das Berliner Behindertenparlament (BBP) verschiedene Anträge zu Querschnittsthemen eingebracht. Netzwerkfrau Haase wünscht sich, dass aus diesen Anträgen auch konkrete Aktionen erwachsen. Catrin Wahlen sieht gerade das BBP als Awareness-Projekt, nicht nur für die Teilnehmer*innen, sondern im besonderen Maße auch für die Senatsverwaltung.

Frauen mit Migrationshintergrund machen etwa 20% der Ratsuchenden aus. Themenschwerpunkt ist hier der Umgang mit Behörden. Dazuhaben auch einige der Netzwerkfrauen eine Migrationsgeschichte. In diesem Zusammenhang verweist Haase auf Zuschreibungen in der Beratung von Frauen mit Migrationsgeschichte. Die Beraterinnen des Netzwerks bilden sich auf diesem Gebiet beständig weiter. In diesem Zusammenhang erwähnt Catrin Wahlen den von der Grünen-Fraktion initiierten Hatun-Sürücü-Preis.

Angesprochen auf die #MeToo-Debatte erläutert Ulrike Haase, dass Frauen mit Behinderungen doppelt so häufig von Gewalt betroffen sind wie nichtbehinderte Frauen, im Falle sexualisierter Gewalt sogar dreimal so oft. Auch Frauenhäuser und Zufluchtswohnungen sind meist nicht auf behinderte Frauen ausgerichtet. Zu diesem Thema wurde ebenfalls ein Antrag für das BBP eingereicht. An dieser Stelle sieht Haase deutlichen Nachholbedarf bei der Aufklärung der entsprechenden Stellen. Wie ihr auch die Mitarbeiter*innen des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) bestätigt haben, mangelt es hier nicht an Daten. Diese liegen bereits vor. Es müssten nur die geeigneten Maßnahmen getroffen und umgesetzt werden.

Eine weitere Schwierigkeit besteht in der mangelnden Barrierefreiheit von Praxen von Fachärzt*innen. Zwar gibt es durchaus Spezialambulanzen, Ziel sollte aber die Regelversorgung sein. Ein Hauptproblem sieht Haase hier darin, dass die Untersuchung und Behandlung behinderter Frauen sowohl mehr Platz als auch mehr Zeit in Anspruch nimmt, die den Ärzt*innen jedoch nicht vergütet wird. Als Beispiel für die gynäkologische Versorgung nennt sie das Familienplanungszentrum (FPZ) Balance, das sowohl Sprechstunden für Frauen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen anbietet als auch auf die Beratung und Behandlung von Frauen mit Migrationshintergrund spezialisiert ist. Vor allem mit Blick auf die bauliche Barrierefreiheit erläutert Catrin Wahlen, dass Nachhaltigkeit immer auch Barrierefreiheit beinhalten muss und nicht nur unter ökologischen Gesichtspunkten gesehen werden darf.

Haase betont, dass die Eingruppierung der Mitarbeiterinnen – ausschließlich Teilzeitbeschäftigte – eine große Schwierigkeit darstellt. Zudem fehlen Ressourcen für aufsuchende Beratung.
Abschließend lädt Catrin Wahlen eine Gruppe aus dem Netzwerk ins Berliner Abgeordnetenhaus ein.

3 Frauen an einem Besprechungstisch
von links nach rechts: Sindy Sparsbrod (Vorstandsfrau), Ulrike Haase (Beraterin) und Catrin Wahlen

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